Max' Weltrekord in der FAI Speedklasse #196 (elektro combined sources)


(zugleich inoffizieller Speedrekord für 3-Blatt-Klappluftschrauben)

 

© Dr. Ralph Okon 01.12.2015

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Nur 2 Wochen nach der Deutschen Meisterschaft 2015 trafen wir uns schon wieder in Ballenstedt.
Diesmal ging es um die Versuche, die bestehenden Weltrekorde in den Speedflugklassen zu verbessern.
Dazu ist gemäß Vorgaben der FAI eine längere, genau vermessene Strecke aufgebaut.
Auch an die Zeitnahme werden erhöhte Anforderungen gestellt und die Einhaltung des Höhenkorridors wird durch zusätzliche Judges überwacht.

Als Team hatten wir (Max von Prondzinski als Pilot und ich als sein Techniker) uns vorgenommen, Olli Zanker seinen 2014er Rekord in der FAI Klasse 196 wieder abzujagen. Damit war die Aufgabe klar: Wir mussten seine 446,96 km/h übertreffen. Diese Aufgabe schien eingedenk der eingesetzten Technik und Max' Pilotenfähigkeiten lösbar zu sein.
Als zusätzliche Herausforderung hatte ich mir in den Kopf gesetzt, zu zeigen, dass das auch mit einem leisen 3-Blatt-Klapplattenantrieb machbar ist.

Also haben wir 2 "Crocoblades" dafür vorbereitet. Das von mir schon bei der DM eingesetzte Modell aus der Werkstatt von Christian Erdt war als Test- und Ersatzmodell gedacht. Alle Rekordversuche haben wir mit der von Alex gebauten echten "Powercrocoblade" absolviert.

Als Motor kam in beiden Modellen das allerbeste zum Einsatz, was derzeit machbar war: je ein HK 4540 im Speeddesign mit Statoren aus 0,2er CoFe Blechen von VAC Hanau mit füllgradoptimierter Bewicklung.

Als Hauptantriebsakku lagen 2 Sätze SLS APL 4000 mAh von je 15S (3S+6S+6S) sowie zusätzlich ein und Hochlastbedingungen deutlich schwächerer Satz 15S Gens-Ace 4000 mAh "60C" für Testflüge bereit.

Die Combobatterie bestand aus 5S LM 23A mit Schutzbeschaltung.

Als Steller wurde in beiden Modellen ein YGE 160UHV (flache Version) eingesetzt.

Die Empfangsanlage wurde von einem kleinen 2S 400 mAh Akku versorgt. Im Modell waren 3 Stück Futaba S 3172 und ein Graupner GR-16 Empfänger verbaut.

 

Am Freitag Vormittag wurden die Messanlage - diesmal ergänzt durch die Einflugpylone und die 1000fps-Highspeedkameras - und der Sicherheitszaun aufgebaut.
Die Wettervorhersage lies schon Böses ahnen, aber am Freitag Nachmittag war das Wetter "normal betrachtet" noch recht gut.
Aus Speedersicht war die Luftfeuchtigkeit aber deutlich zu hoch, um ernsthaft angreifen zu können.
Also haben wir uns erstmal auf 2 Testflüge mit einem gemäßigten Setup (11" x 27" in 3-Blatt-Konfiguration) beschränkt.
Diese dienten vor allem dazu, dass Max sich mit der nagelneuen "Crocoblade" vertraut machen und die Programmierung seines Senders optimieren konnte.

Das beim Einfliegen gewonnene Log diente der Abstimmung des scharfen Setups.

 

Am gesamten Samstag war an Fliegen nicht zu denken, wenn man sein Material nicht über Gebühr gefährden wollte.
Die am Nachmittag durchziehende Sturm- und Regenfront hat die Streckenpylone massiv dezimiert und auch sonst alles, was nicht niet- und nagelfest war, durch die Gegend geweht.
Erst gegen Abend wurde es ruhiger und es klarte wieder auf.

Da war aber die Flugzeit bereits vorbei.
Die Laune haben wir uns aber nicht verderben lassen - es konnte nur besser werden und die Vorhersage für das Sonntagswetter lies Hoffnung aufkommen.

 

Sonntag morgen sah es dann recht gut aus. Der Wind flaute zunehmend ab, die Sonne kam immer mehr heraus und die Luftfeuchtigkeit war im ständigen Sinken begriffen.
Also haben wir die "Crocoblade" voll aufgerüstet und das Projekt Weltrekord ernsthaft in Angriff genommen.
Wie immer mussten zuerst die Akkus geladen und auf Arbeitstemperatur gebracht werden.

Dann das Briefing und die Eintragung in die Liste für die Besetzung der Höhenkontrolle zu einem möglichst günstigen Zeitpunkt.
Am besten erledigt man das gleich zu Anfang - dann hat man seinen Teil geleistet und den Rücken frei für die Flüge.
Ein weiterer wichtiger Grund: morgens ist die Luftfeuchtigkeit sowieso noch ziemlich hoch, also eher schlechte Voraussetzungen für einen wirklich schnellen Flug.

Max wartet schon ganz angespannt.

Das letzte Feintuning an den nochmals gekürzten Propellern. Max war nach den ersten 3 Flügen mit dem scharfen Setup der Meinung, dass der Schub noch immer mehr als ausreichend war.
Also wurden die Blätter noch ein bissel weiter gekürzt, um den Strom zu senken und die Drehzahl zu erhöhen.

Das Warten auf den nächsten Versuch.
Insgesamt haben wir am Sonntag 5 oder 6 Flüge gemacht.

Die Versuche aller Bewerber wurden aufmerksam beobachtet.

Auch das Team entspannt zwischen den Flügen, während die Akkus wieder geladen werden.
Schnelle Durchflüge von jeweils einer Seite hatte Max mehrere, nie aber von beiden Seiten.
Wirklich alles zusammengepasst hat erst beim letzten Flug gegen 13.10 Uhr.
Nicht zuletzt, weil da die Luftfeuchtigkeit auf sehr brauchbare 30% abgesunken war.

Beim Zusammenbau hat auch Max immer mit zugepackt. Es muss dabei ziemlich schnell gehen, damit die Akkus nicht zu viel Wärme verlieren.

Schnell den Jugdes nochmal gezeigt, dass der Helm wirklich ein Helm ist, auch wenn er Basecapform und eine Stoffhülle hat.
Wäre ja wohl zu blöd, mit so einem vermeintlichen Regelverstoß alles zunichte zu machen...

Also ab gehts.

Der Start. Im Prinzip hatte unser Antrieb genug Power, um ohne Werfen aus der Hand zu starten, aber wenn man ein paar mAh sparen kann, macht man das doch!

Eine gute Minute später.
Die Landung war geglückt und Max hatte diesmal 2 gute Flüge in die Strecke geknallt.
Nun musste der Flieger nur noch auf den Highspeedbildern zu sehen sein und der eingehenden Überprüfung durch den Contest Director standhalten.

Auch wichtig: Das Foto für die Unterstützer und Sponsoren. An dieser Stelle möchte ich mich in unser beider Namen bei:
Georges van Gansen und Scorpion-powersystems,
der VAC Vacuumschmelze in Hanau,
Stefansliposhop,
yge.de
und FD-Modellbau
für ihre umfassende Unterstützung - insbesondere auch im Vorfeld der Weltrekordversuche - nochmals ganz herzlich bedanken!

Danach folgte das Processing, bei dem die Einhaltung der Vorgaben des FAI- Reglements nochmals genau überprüft wurde.
Zuerst erfolgt ein scharfer Blick ins Modell, ob auch die Combo-Batterie ordnungsgemäß angeschlossen war.
Vom Planimetrieren zur genauen Bestimmung der Flügelfläche habe ich leider kein Bild.

Hier wird die Spannung des Hauptakkus überprüft.

Christian unterstützt den Contest Director und richtet die Waage mittels Libelle ganz genau aus.
Deshalb musste ich als Ersatz-Caller den Fabian coachen.
Dabei konnte ich die gerade mit Max gewonnenen Erfahrungen tatsächlich zu 100% an ihn weitergeben.

Dann wird das Modell gewogen und das Ergebnis im Foto festgehalten.

Die Waage zeigt 3933g - da waren noch fast 50g Gewichtsreserve!

Auch die "Combo"-Batterie wird nachgemessen.

Ein Blick auf die vom Contest Director notierten Daten nach dem Prozessing.
Nach Auswertung der Bilder und Zeitstempel der Highspeedkameras wurde die Geschwindigkeit auf 474,95 km/h korrigiert.

Leider war 13.15 Uhr die Rahmenzeit schon abgelaufen.
Wir hatten nämlich noch 2 Upgrade-Schritte für unser Setup in petto, die den Rekord unter Umständen noch besser hätten werden lassen können.
Das Vorhaben, den Weltrekord mit einem leisen 3-Blatt-Antrieb aufzustellen, war geglückt.
Der heimliche Wunsch, den Rekord in der Klasse 196 höher zu setzen, als den in Klasse 175 ist also (noch) nicht in Erfüllung gegangen. Zumindest sind wir schon auf ca. 1% an den 175er herangekommen.
Aber Max ist jung und neue Gelegenheiten für weitere Weltrekordversuche kommen für ihn ganz bestimmt!

Der einzige Mitbewerber um den Weltrekord in der Klasse 196 war der Junior Stanley Spichtinger vom "Speedteam Sachsen" mit seinem "Typhoon XXS" vom Marcus.

Trotz des eigentlich sehr leistungsfähigen Setups (eine Kopie von Marcus' erfolgreichem 2014er DM-Setup mit 4235er Motor) zeigte sich recht bald, dass bei ihm irgendwie der Wurm drin war.
Das Modell wurde einfach nicht wirklich schnell. Warum das so war, war auf die Schnelle nicht zu ergründen.
Immerhin konnte er einige Erfahrungen mit der langen WR-Strecke sammeln.
Ich bin ziemlich sicher, dass er bei nächster Gelegenheit wieder angreifen wird.
Dem Vernehmen nach rüstet das Team inzwischen weiter auf.

Ein tolles und schlussendlich erfolgreiches Wochenende ging gegen 15.00Uhr zu Ende.
Insgesamt wurden 2 nationale Rekorde und 4 Weltrekordleistungen erflogen.
Und nebenher auch ein inoffizieller Weltrekord für eine 3-Blatt-Klappluftschraube.

Einen umfassenden Bericht von den Weltrekordversuchen 2015 gibt es auf Olli Zankers Webseite!

Der Lohn für die Mühe: Die Leistung ist vom DAeC als "Deutscher Rekord" ...

und von der FAI offiziell als Weltrekord anerkannt worden.

 

 

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